Terrakotta Armee in Nürnberg, bzw. die Vorhut

Nürnberg – an der Fürther Strasse, die einstige Meile der Weltmarktführer (Triumph-Adler, Schüco, Quelle, etc.) mauserte sich in den letzten Jahren zu einem Ausstellungstreffpunkt. Körperwelten, Da Vinci und Tutenchamun machten Halt auf dem denkmalgeschützten Quelle-Areal. Die Gegebenheiten der ehem. Schickedanz-Räume waren hervorragend dafür geeignet.

Nach dem Verkauf des Areals an einem portugiesischen Investor war damit leider ebenfalls Geschichte. Die Grundlagen für einen Umbau nach Plänen des neuen Inhabers wurden im Sommer 2015 geschaffen. Ausstellungen waren darin nicht länger vorgesehen.

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Qin Shi Huang Di

Ausweich-Möglichkeiten fand man – wenn auch in kleinerer Form – unweit der Fürther Strasse. Das ehemalige AEG-Gelände – gleich auf der anderen Straßenseite – beherbergt nun bis 03.04. die Armee des Kaisers  Qin Shi Huang Di, oder besser treffend: seine Vorhut!

Nach einem kleinen Hausnummern-Chaos findet man hinter einem langen, überdachten Portal den großen Eingangsbereich der Ausstellung.

Unter abgedunkelten Scheiben und mäßiger Beleuchtung ist die Ausstellung untergebracht. Vor der Kasse befindet sich der Souvenir-Shop, nur schlecht lassen sich die käuflichen Erinnerungen bestaunen. Eine Beleuchtung in den Regalen hätte die Verkaufsprodukte in einem besseren Licht erscheinen lassen.

Rechts neben der Kasse befindet sich der Eingang mit dem Bar-Code-Scanner. Dieser gewährte dem Besucher nach dem Zufallsprinzip Einlass, obwohl die Karten für die Ausstellung ordnungsgemäß erworben wurden. Die Dame an der Kasse durfte dann einen langen Weg auf sich nehmen und ließ die Besucher manuell eintreten. Probleme mit denen sich Qin Shi Huang Di vor 2200 Jahren nicht herum quälen musste.

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Siegel des Ewigen Kaisers

Und dort stand er auch, in (Über-) Lebensgröße, er schaute auf sein Siegel gegenüber der Wand. Die nächste Abteilung erklärte seine Schwächen, gegenüberliegend aber seine Stärken. Er einte mit Waffengewalt ein Reich, das nur durch Kriege von 7 unterschiedlichen Herrschaftshäusern gezeichnet wurde. Was in Deutschland seit noch nicht mal 150 Jahren Realität ist, einte er vor 2200 Jahren die Region, führte einheitliche Währung, Längen- und Gewichtsmaße ein und verband in einem riesigen Bauprojekt verschieden Wachtürme. Die Anfänge der Chinesischen Mauer.

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Kaiserlicher Reiterwagen

Die Verdienste waren so groß, dass die Nachwelt dieser Region seinen Namen gab. Aus „Qin“ von Qin Shi Huang Di entstand China.

Bis 1974 glaubte man auch, dass dies die einzigen Erinnerungen seien. Bis Bauern aus Xiyang in der chinesischen Provinz Shaanx einen Brunnen suchten und die sagenhafte Terrakotta-Armee fanden.

Archäologen sind bis heute mit den Ausgrabungsarbeiten beschäftigt, ein Ende ist nicht abzusehen. Noch nicht mal 30 % sind freigelegt oder erforscht, eine Arbeit für viele folgende Generationen. Davon erfährt der Besucher aber leider zu wenig. Eine kleines Modell der Grabanlage, das wars. Es folgt ein Streitwagen, dann geht’s auch schon neben Waffen und Rüstungen zur Vorhut der Terrakotta-Armee. Knapp 100 orginaltreue Figuren, aufgestellt in einer Reihe die mehr Fragen offen lässt, als Antworten gibt, umrahmt von Bildleinwand, einen Eindruck der wahren Terrakotta-Armee vermittelt es nicht.

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Nachbildung: bemalter General der Kaiserlichen Armee

Im nächsten Abteil dann die Terrakotta-Armee von Grube 1-3 in verkleinerter Form, die eine Dimension erahnen lässt. Ein Wandteppich erklärt die Herstellung der Soldaten und dessen Bemalung, dann ein paar Fundstücke aus der Zeit und die Ausstellung der Terrakotta-Armee endet hier.

 

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Bekleidung

Der Weg zum Ausgang des Ausfluges in das Reich der Mitte verläuft zwischen nachgebildeten, chinesischen Kleidungsstücke aus verschiedenen Dynastien China. Eine Nachbildung des Drachenthrones verabschiedet schließlich nach gut einer Stunde die Besucher wieder in den Eingangsbereich.

Sicherlich kann eine Ausstellung einen realen Besuch der Terrakotta Armee nicht ersetzen. Ein Gast erwähnte in dem ausliegenden Gästebuch in der Vergangenheit 17x in China gewesen zu sein, aber kein einziges Mal am Grabmal.

Die Fragen zu letzterem, das was die Terrakotta-Armee ja eigentlich beschützen soll, erfährt man wenig. Wie lange war die Bauzeit, was passierte mit den beteiligten Personen, wie lebten diese, wer waren die Soldaten, wie wurden sie rekrutiert, darauf hat die Ausstellung leider keine Antworten.  Das Wenige erklärt zwischen schwarzen Wänden und Info-Tafeln aus durchsichtigem Acrylglas mit Klebebuchstaben, in Verbindung mit der unglücklichen Beleuchtung machten das Lernen nicht einfacher. Was bleibt ist die Neugierde sich zuhause mit der Armee weiter zu beschäftigen und vielleicht die what-to-do-in-life-liste um eine Position zu erweitern: Besuch der wahrhaftig beeindruckenden Terrakotta-Armee von Qin Shi Huang Di.

Infos

http://terrakottaarmee.de/

www.sist24.de